Fast alle machen es, aber kaum einer traut sich, darüber zu reden: Die
Onanie.
Sie ist eines der letzten Tabu-Themen unserer Zeit, auch trotz Oswald Kolle
immer noch in den Köpfen der Menschen mit allerlei Ängsten und Vorurteilen
belegt. Wer ES tut, wird belächelt, weil ihm oder ihr wohl nur der richtige
Partner zum Sex fehlt. Onanie wird als Ersatzbefriedigung gesehen, im Schatten
der Partnerschafts-Erotik und ihrem bunten Reigen an Spielarten. Es sich selbst
und alleine zu besorgen, ist immer noch "Masturbieren", und das meint: Sich
selber schänden. Dabei steckt in der Autoerotik ein ganzer sinnlicher Kosmos,
der nicht nur den Heranwachsenden die eigene Sexualität erschließen kann. Onanie
bewusst erlebt und zelebriert schafft einen wirklich angstfreien, unbeschränkten
Lustgarten, in dem man allein Kraft seiner Phantasie auch von den verbotenen
Früchten naschen darf.
Man braucht keine Rücksichten zu nehmen, keine
Kompromisse zu schließen, man kann einfach – mit einer Hand am Ruder – Fahrt
aufnehmen beim Brain-Sex. Und dabei können Frau und Mann sich sicher sein, dass
ihre handgemachte Lust aus biochemischer Sicht genau dasselbe sein kann wie ein
heiß ersehntes Schäferstündchen im Zenit der ultimativen Verliebtheit. Wer will,
kann die Grenzen verschwimmen lassen zwischen erlebter Zweisam- und feuchter
Einsamkeit. Onanie ist mehr als schmutziges Geilreiben; sie sorgt für den Kick
im Kopf, der uns die Zärtlichkeit unseres Lebens für die Zeit des Alleinseins
konserviert, vom Kleinkind- bis ins Greisenalter.
240 Seiten / Taschenbuch
Autor: Wiebke und Axel H. Kunert
Verlag: Schwarzkopf & Schwarzkopf